Donnerstag, 7. Februar, 20:11, Dresden Hauptbahnhof
Obwohl unser Zug bereits aus Ungarn kommt ist er auf die Minute pünktlich. Wahrscheinlich war es der Bahn auf den ersten 50 km deutscher Strecke einfach noch nicht möglich eine Verspätung zu schaffen. Ok, machen wir die Bahn mal nicht all zu schlecht. Alles geht jedenfalls gut los, wir bekommen Sitzplätze und unsere Reise beginnt.
Wir kommen auch pünktlich in Berlin Schönefeld an und müssen nun etwa eine Stunde auf den Nachtzug nach Malmö warten. Dabei fällt uns auf, daß der Bahnhof Berlin Schönefeld nicht wirklich zum Umsteigen geeignet ist. Es gibt zwar eine Wartehalle, allerdings aufgrund einer defekten Tür ist diese nicht wirklich warm. Nach etwa 5 Minuten verschwindet der Bahn-Angestellte von seinem Informationsstand auf Nimmer-Wiedersehen und uns wird zunehmend unwohler angesichts der restlichen Gestalten, die da noch herumhängen. So sind wir denn auch froh, endlich auf den Bahnsteig gehen zu können.
Während ich meiner Freundin gerade noch von dem Artikel, der letztens durch die Mailingliste ging, erzähle (in dem von der hohen Auslastung und dem guten Service geschwärmt wird), rumpelt ein Zug in den Bahnhof. Vorneweg eine giftgrün lackierte Ex E-42. Na, denke ich mir so. Wenigstens etwas Gutes, Altes und Zuverlässiges was uns da gen Norden ziehen wird. Dahinter hängen zwei alte Wagen der Schwedischen Staatsbahn, die wohl auch schon bessere Zeiten gesehen haben.
Aber tatsächlich, für jeden Wagen gibt es einen eigenen Schaffner und wir werden freundlich begrüßt. Beim Anblick des Liegeabteils wird unser Enthusiasmus aber etwas gedämpft. Denn zum einen sind schon 3 Norweger drin und allein mit ihrem Gepäck wird schon ein Extrabett gefüllt. Daran, daß die Reisenden eventuell Gepäck mit sich führen, haben die Designer einfach nicht gedacht. Es gibt zwar eine Gepäckablage (natürlich über den Betten der 3. Etage), aber wie man da im Ernstfall 6 Koffer unterbringen soll ist uns ein Rätsel. Zum Glück bleiben wir aber zu fünft und so kann ein Bett doch irgendwie als Gepäckablage genutzt werden. Nach einem weiteren Stopp in Berlin wird klar, daß das Abteil nebenan, tatsächlich leer ist und so ziehen die Norweger um.
Es mag sein, daß man im Liegen die Geschwindigkeit falsch einschätzt. Andererseits kann es natürlich auch daran liegen, daß so eine Lok mit 2 Wägelchen einfach unterfordert ist. Jedenfalls rast der Zug in einem scheinbar irren Tempo nach Saßnitz. Bei einem Gespräch mit der Schaffnerin stellt sich dann auch der wahre Grund für die gute Auslastung heraus. Offenbar wird der Zug nur mit zwei Wagen kalkuliert. Gibt es entsprechend mehr Reservierungen werden zusätzliche Wagen angehängt und es entsteht ein dem entsprechender Gewinn. Scheint auch kein dummes Konzept zu sein.
In Saßnitz angekommen fragt sich der gewohnte Autofahrer natürlich ob er den Zug wohl verlassen muß. Bekommt aber als Antwort, daß er das nicht müsse, dies sei schließlich ein Bonus für den Bahnfahrer. Während der Zug auf die Fähre geschoben wird, überlege ich mir dann schon, inwieweit das aus Sicherheitsgründen ein Bonus ist. Schließlich befinden wir uns zwei Decks unter dem Autodeck, eingekeilt von Güterwagen...
Lesen Sie morgen mehr von unserer Winterreise und erfahren Sie:
- Was das besondere an schwedischen Eisenbahnfahrplänen ist
- Warum Kopenhagen doch nicht auf der Strecke von Malmö nach Göteborg liegt
- Was die schwedischen Bahnen unter Service verstehen und
- Warum wir in einen Unfall auf der E6 in Norwegen verwickelt werden
|